hibbelig, hubbelig, wibbelig
Mittwoch, 18. Februar 2009
weihrauchen
® by erli
das kleine äffchen fridolin
ging sonntags zu der kirche hin

es war nicht fromm, es war nicht christ
und stets im gottesdienst vermisst

doch nach der messe kam es dringend!
und um die kirchenorgel springend

und wollte kreischend darauf spielen
weil ihm die töne so gefielen

der pastor war ein strenger mann
der fridolin nicht zugetan

und selbst bei aller christlichkeit
das orgel-äffchen geht zu weit!

"es springt und singt und tanzt umher
das ist ja wie gechlechtsverkehr"

der arme weiß sich nicht zu wehren
es ist zu spät es zu bekehren

darf ich die kirchentür verschließen?
oder auf das untier schießen?

der sonne bald die kälte wich
der pastor bog und quälte sich

das äffchen aber war frohlockend
oben auf den flöten hockend

sang und sprang und hatte spaß
und rauchte allerfeinstes gras

"das kann nicht gottes wille sein
ich werde dort um hilfe schrein!"

lieber gott, ich bitte dich
es ist unsäglich fürchterlich

lass mich nicht mehr länger leiden
erlöse mich von diesem heiden!

--

der affe ist in diese hallen
als mein sohn herab gefallen

um meine kunde zu vermehren
und euch menschen zu bekehren

Ich habe nämlich nachgedacht
und viele jahre zugebracht

und habe den entschluss ersonnen
euer ende ist gekommen

die affen sind mir deutlich lieber
sie erinnern mich an shiva

– eine alte angestellte
auf der ich die matratzen wellte...

nichts für ungut alter zaus
doch schließ dich lieber selber aus!

--

nach diesen worten stark erbleicht
war des pastors maß erreicht

zog sich das letzte weihrauch rein
und schlug die orgel kurz und klein

Und die moral von der geschicht
flügel hat man oder nicht.
...wurde im Genre Arschesie am 18. Februar 2009 erstellt , zuletzt verändert von erli am 05. Juni 2009

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Trauernde Blöcke
® by tost
Trostlose grau uniformierte
Riesen
reihen sich schweigend
ineinander

Resignierend abwartend
und ruhig
Scheinbar zeitlos schweigend
Und gewaltig

Auge in Auge starren sie
einander an
Ihre Gesichter
gegerbt von Vergänglichkeit

Neue alte hässliche
und saubere
in einer Reihe
ineinander verhakt

Alle gleich unterscheiden sich nur
in ihrer Einfallslosigkeit
Tobias Schwarz, 2006
am 17. Februar 2009 erstellt  am 17. Februar 2009

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die Gesellschaft
® by tost
„Die Gesellschaft“


Routinierte Belanglosigkeit,
schnappt nach Gesprächsfetzen
und kalt grinsend,
schweigt der Marmor
zur geselligen Einsamkeit.

Gebrechliche Empfangskleider,
klammern sich an Sektglashälse
und kreischen einstudierte Glücksgesten,
während die großen Spiegel
ihre Gegenüber verhöhnen.

Lippenstift-verschmierte Kopfkissen,
würgen Eau de Cologne
und dumpfes Klaviergemurmel
wärmt die, im kalten Rauch erstarrten, Räumlichkeiten.

Den Kopf ins Genick werfend,
sprudeln Worthülsen
und die, in den Proseccogläsern taumelnden
Sprechblasen, platzen dann im Aspirin-Strudel
beim morgendlichen Brunch.

Man sieht sich!
...wurde im Genre Poesie am 17. Februar 2009 erstellt  am 17. Februar 2009

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