hibbelig, hubbelig, wibbelig
Familienrecht in elf Versen
® by schtueck
Lieber Herr Klausurersteller!
Auf den Erfolg in dieser Arbeit,
Auf Glanz und Glorie und Herrlichkeit,
Verwett' ich keinen roten Heller,
Denn ich muss gesteh'n - oh Schande mein!
Reinen Wein schenk' ich nun ein,
Im Unterricht tat ich nur gammeln,
Anstatt familienrechtlich's Wissen anzusammeln.

Nun sitz' ich hier, ich dummer Tor,
Bin auch nicht klüger als zuvor -
Die gestellten Fragen sind gar schwer,
Ich raufe mir die Haare sehr,
Weiß weder ein noch aus -
Ach lieber Herr, es ist ein Graus!
Von Familienrecht hab' ich doch keinen Schimmer,
Und das Studieren des Gesetz' macht es nur schlimmer.

Aber dennoch will ich nicht verzagen
Und es wagen eine Lösung vorzuschlagen,
Die der Gerechtigkeit entspringt -
Woll'n wir hoffen, dass es mir gelingt!

Zunächst ist einmal festzustellen,
Euer aller rätselnd Geiste zu erhellen,
Das Amtsgericht in Weilheim ist zuständig;
Die Norm genau, die weiß ich nicht auswendig,
Doch weshalb Frau Frey davor bewahren,
Einmal zu Kind und Kegel nach Weilheim zu fahren?

Es ist nicht zu viel verlangt dorthin zu reisen,
Von München mit der Schienenbahn aus Eisen,
Bis nach Raisting und dann weiter,
Mit dem Bus durch's Bayernland -
Das ist ein Genuss gar altbekannt,
Denn die Menschen sind dort heiter,
Lustig, wohlgenährt und frohgemut,
Ach wie gut doch eine solche Reise tut!

Doch nun die Frag': Sollt' man der werten Dame,
Zu Gunsten ihres Mannes Zahlungspflichten auferlegen?
Beim Amtsgericht in Sachen Frey, das ist der Name,
Könnt' man sie nicht auch freiwillig dazu bewegen?

Die Eheleut', die Eheleut', die streiten sich gar sehr -
Ach! G'müt und Seel' wer'n mir da schwer.
"Das kann nicht Gottes Wille sein!"
Möcht' ich im Weg des Stuhlurteils zum Himmel schrei'n.

Die Ehe ist doch für die Ewigkeit!
Keine Unzucht sollst du treiben
Und dich an fremder Weiber Körper reiben!
Dieser Rosenkrieg geht mir zu weit,
Verdrießt er mir doch Gottes Herrlichkeit
Und der Ehe Heiterkeit.

Nur weil die Menschen einst erfanden das Familienrecht,
Sticht dies nicht aus des hohen Herrn Gebot - Allmächt'!
Auch der schönste Titel deines Amtsgerichts,
Nützt dir am Tage deines Todes nichts!

Drum rate ich euch, liebe Freys:
Beschwört nicht Gottes Zorn!
Probiert doch lieber etwas Neues und seid nice
Begrabt das Kriegsbeil; zieht des Geldes Dorn
Aus dem Fleische eurer Ehe -
Und sorgt euch um euer gegenseitig Wohl und Wehe.

Ihr habt ein Töchterlein - sie ist noch klein!
Um ihretwillen und in Gottes Namen,
Zieht zusammen, liebt euch fromm und rein -
Dies allein kann Gottes und des Amtsgerichtes Wille sein!
Amen.
...wurde im Genre Poesie am 25. Februar 2014 erstellt , zuletzt verändert von schtueck am 25. Februar 2014

Kommentieren



schtueck, Di, 25. Feb, 14:08
Heute als Klausurlösung abgegeben... bin mal gespannt wie viele Punkte das gibt :D

THX an Jerry für die Inspiration einiger Zeilen aus dem Äffchengedicht - eins meiner All-Time-Favourites!
Kommentieren
 

erli, Di, 25. Feb, 21:53
Ich will das Gesicht des Prüfers sehen. HAHAHAHAHAHAHA! geil!

...vielleicht legt er ja ein Foto bei :D
Kommentieren
 

schtueck, Mo, 28. Apr, 20:55
"Ihre Dichtkunst in Ehren, leider muss ich Ihnen Punkte verwehren" stand drunter.. :D
Kommentieren
 

jsteblue, Mo, 26. Mai, 20:32
Geiles Gedicht :D ----Das geht aber auch nur bei einer christlichen Ehe. Lustig wären auch die familienrechtlichen Konsequenzen aus Sicht der Scharia gewesen, für das Gedicht und ein Foto des Korrektors hätt ich Geld gezahlt...haha.. XD
Kommentieren