hibbelig, hubbelig, wibbelig
Der Einsame Thron
® by schtueck
Erfolg war dir im Leben hold,
in deinen Kammern glitzern Schmuck und Gold,
du sitzt nun oben – welch Blick! – auf einem Stuhl, verziert und schick.
Auf solcherlei Sicht ist mancher erpicht, doch hat er sie nicht, denn –
du hast sie und vergisst das nie.

Blick nach unten.
Schande, Scham.
Suchst, wer dir die Liebe nahm.
Fehlersuche. Leere. Absturz. Neustart.

Sitzt nun ganz weit oben, ganz allein,
gibst dir selbst den Kuss, kämpfst tapfer, mutig, furchtlos gegen alle, wenn du musst.
Ehre wem Ehre gebührt!
Musstest immer schon dein eigener Meister sein.
Wohin all dies führt?
Einer gegen alle? Wie gemein!
Soll dies der Lohn des Lebens sein?
Sie zerren und reißen an deinen Beinen; mancher hat bitteres Salz zu weinen.
Sehnst dich gen Himmel, wo nichts sich spiegelt,
Die Kammern versiegelt,
Schatz und Herz –
Eine Straße. Ein Sammler.
Unerträglich heimlich schleicht der Fehler sich ein – unsägliche Pein!
Die Kammern verrammelt, was bleibt laut genossen.
Laut gegen Angst. Angst. Angst.
Was ist der Schatz um den du wirklich bangst?
Die Kammern geschützt, wertvollstes Gut, selige Glut.
Und immer heizen und heizen und heizen.
Hast du deine Liebe verheizt?
Du hast dich selbst eingeschlossen.

Immer und immer zerren und reißen sie.
Blick nach unten.
Schande, Scham.
Suchst, wer dir die Liebe nahm.
Fehlersuche. Leere. Absturz. Neustart.

Hach! Ist das schön hier oben!
Sieh wie sie den Erbauer loben.
All die Bedürftigen, wie sie ihn preisen,
ihm laut und heiser seinen Respekt erweisen.
Hör zu! Hör zu! Hörst du den Respekt?
Ja! Ja! Wir hören! Wir hören wie er dir schmeckt!

Und zerren und reißen sie nicht doch?
Und graben sie nicht wenn sie nicht kriechen an deinem Stuhl?
Sie werden sich laben wie die Raben,
wenn sie dich kriegen geht es ab ins finsterste Loch!
Sie wollen es doch! Sie wollen es doch!

Blick nach innen.
Absturz. Neustart.

Lass Krumen fallen in die finsteren Hallen,
Respekt! Respekt!
Luftballons zum Platzen gefüllt mit Respekt!
Achtung! Achtung! Frische Achtung!
Vakuumiert und in Luftpolsterfolie verpackt,
die beim Öffnen schön raschelt und knackt.
Ab in die Kammern, orgiastischer Schmaus!
Alles hinein, bloß nichts hinaus.
Sei auf der Hut!
Wer Schwäche riecht, kriecht nicht gut.
Respekt gegen Krumen!
Brav!
So muss das sein.

Doch halt ein!
Sieh den Schimmer der Hoffnung am unteren Horizont –
es lichtet sich die Wolkenfront.
Frieden findet, wer Tränen vergießt;
sein Herz nicht vor Reue verschließt.

Furchen deiner Finger im harten Holz deiner Ehre.
Siehst du den Pfad, siehst du die Kehre?
Nimm Mut und nimm Weh,
du verfügst über beides, wie ich mit Zuversicht seh‘,
und schaffe Wehmut daraus.
So geht die Geschichte am Ende gut aus.

Willst du herrschen, in deiner Welt?
Frei und wie es dir gefällt?

Findest du Kraft dich zu erheben?
Findest du Kraft zu schweben?

Das Leben hat dir mehr zu geben.
Steig herab von deinem einsamen Thron.
Blick nach unten –
Schritt für Schritt.
Lächeln und offene Arme, kein Hohn.
Schritt nach unten –
sorgsam Tritt um Tritt.
Wir sind hier.
Wir helfen dir.
Steig herab von deinem einsamen Thron; es wartet fürstlicher Lohn.
Hier unten sind Menschen und wenn sie dich kriegen –
wollen sie dich lieben.

Das hast du gut gemacht; du hast das Meiste geschafft.
Nur das Schwerste steht noch bevor.
Nun löse die Klammern und öffne die Kammern.
Finde, was dein Ich früh verlor.

Blick nach innen.
...wurde im Genre Poesie am 06. September 2016 erstellt , zuletzt verändert von schtueck am 06. September 2016

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jsteblue, Mi, 14. Sep, 12:38
Schöne lyrische Reflexion mit Tiefe.
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